Ich kenne dich - Künstliche Intelligenz (KI) bei der Gesichtserkennung

Szenario: Eine Person steht vor dem Schaufenster eines Ladenlokals und betrachtet ein Poster. Heutige Technik macht es möglich die Person nach vielen Kriterien einzuordnen. Geschlecht, ungefähres Alter, Größe, Gewicht und dementsprechend wird am digitalen Medium die für die Zielgruppe geeignete Werbung ausgespielt. Hat den Vorteil, dass sich ein älterer Mann keine Werbung über Schwangerschaftscreme ansehen muss.
Es geht aber noch mehr ins Detail. Vor einigen Monaten wurde ein Test am Bahnhof Berlin/Südkreuz von der Berliner Polizei durchgeführt. An 300 freiwilligen Probanten wurde getestet wie gut eine Software in der Lage ist, aus den vorübereilenden Menschen gesuchte Personen herauszufiltern. Das Gesicht der Versuchspersonen wurde vorab eingescannt und mit 14 Gesichtspunkten erfasst. Wenn das Gesicht nicht durch eine Sonnenbrille, Hut oder Kopftuch teilweise verdeckt wird, konnte das Ergebnis sich durchaus sehen lassen. Die Personenerkennung lässt sich um die Merkmale Stimme, Gang und Haltung erweitern. Auch wenn die Forschung sicherlich noch einige Zeit braucht, um perfekter zu werden, so ist der Weg schon eingeschlagen.
Fakt ist: es werden riesige Datenbanken benötigt, um die Merkmale speichern und abgleichen zu können. Diese stehen noch – mit Betonung auf noch – nicht zur Verfügung. Wie wird es zukünftig aussehen? Wenn die Daten fehlerhaft sind, sind auch die Ergebnisse falsch bis unbrauchbar und selbst bei perfekten Daten und perfekt richtiger Erkennung – was wenn die Daten gegen uns verwendet werden und wir beispielsweise als unliebsame Störenfriede enttarnt werden?
Noch mehr Möglichkeiten gefunden zu werden: Ein Dienst wie Findfaces aus Russland macht es einfach, ein digitales Foto bei dem "Service" hochzuladen und der Algorithmus sucht im Netz und zeigt Doppelgänger auf, oft mit Kontaktdaten. Ein solcher Dienst lässt sich jederzeit auf das westliche Facebook ausweiten. Und was, wenn deine Körperdaten darüber hinaus bestimmten Merkmalen zugeschrieben werden? Mit 35.000 Fotos einer Dating-Plattform als Datengrundlage haben Forscher der Stanford University, mit Hilfe von KI, versucht zu ermitteln, ob eine Person schwul oder hetero ist. Die Trefferquote lag 81 % bei Männern und 71 % bei Frauen. In einem Vergleichstest lagen Menschen um 20 % häufiger falsch. An einer Shanghaier Universität sollen Forscher mit Künstlicher Intelligenz anhand von über 1.800 Passfotos von Männern einen biometrischen Wert berechnet haben, der mit knapp 90 % treffsicher sagen kann, ob ein Mensch straffällig wird oder geworden ist.
Diese Extremform geht unserer Meinung nach zu weit und stellt einen erheblichen Eingriff in Persönlichkeitsrechte dar!
Aber gezielte Datenauswertung, Kundenclusterung und maßgeschneiderte Werbung sind sicherlich gute Ansätze, um geschäftlich erfolgreich zu sein und das Werbebudget exakter steuern zu können.
Denn wer möchte schon Werbung, die man nicht braucht.