Was haben Passwörter und Emilia Galotti gemeinsam?

„Emilia Galotti“ von Gotthold Emphraim Lessing war die Pflichtlektüre schlechthin. Was quälte sich so manch Oberstufenschüler unter Protest durch dieses Buch. Wer konnte ahnen, dass jede Zeile dieses Trauerspiels die zukünftige Geheimwaffe  gegen Passwort Hacker werden würde?

Wer seine persönlichen Daten im Internet sichern will, dem empfehlen Datenschützer gerne, für jeden Dienst ein eigenes Passwort zu benutzen. Dieses sollte aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen und mindestens acht Zeichen lang sein. Mehrstellige Passwörter mit Sonderzeichen wie XQW@lnn7, die nerviger weise noch alle drei Monate geändert werden sollten gehen aber gar nicht! Wer kann sich schon solche Hieroglyphen merken? Und dann auch noch unterschiedliche für mehrere E-Mailadressen, diverse Netzwerke, Netz shoppen und noch vieles mehr.  Anstatt also einen festen Platz im Gedächtnis zu haben finden sich Passwörter eher in Schubladen am Arbeitsplatz oder am heimischen Kühlschrank klebend wieder. Außerdem, mit den richtigen Tools, mit etwas Know-how und je nachdem mit mehr oder weniger Rechenpower ist das Knacken der Passwörter nicht allzu schwer für Cyberkriminelle. Sogar Hobbyganoven kriegen beim Eingeben von „Passwort knacken“ in die bekannte Suchmaschine entsprechende Tools angeboten. Das braucht aber niemandem mehr Angst zu machen, diese Zeiten sind jetzt vorbei. Bewaffnet mit Zitaten aus der bereits erwähnten Lektüre wie „Ha! Lass dich der Teufel bei einem Haar fassen und du bist sein auf ewig!“ kann jeder jetzt den Passwort-Hackern die Stirn bieten!

Emilia Galotti verdankte man dem Lehrplan, den Passwortwahnsinn Bill Burr, der 2003 Empfehlungen für US Behörden und Unternehmen zur Sicherheit von Passwörtern zusammenstellte. „Leider waren sie falsch“, gestand dieser nachdem seine Nachfolger Millionen Fälle gehackter Passwörter auswerteten.  „Pass-phrases“ sichern also den Computer besser und sind einfacher zu merken. Möglichst lang sollten sie trotzdem sein.
Mr. Burr hat sich schon längst dafür entschuldigt, und weil wir nicht nachtragend sind, hier noch unsere Passwortempfehlung für ihn: „Better late than never“.